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Leistungsverzeichnis erstellen: Planer arbeitet am ausgedruckten LV mit Plänen und Maßstab

Fachbeitrag · Ausschreibung & LV

Leistungsverzeichnis erstellen:Nachträge vermeiden und KI sinnvoll nutzen

Thomas Strang24 Jahre Bau- und Projektpraxis
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9 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Wer im Architektur-, Ingenieur- oder Planungsbüro ein Leistungsverzeichnis erstellen muss, entscheidet zu einem großen Teil schon darüber, wie viele Nachträge später kommen. Die häufigsten Ursachen sind bekannt: nicht benannte Lücken in der Planung, unklare Schnittstellen, nicht ausgeschriebene Besondere Leistungen und Ausführungsdetails, die stillschweigend vorausgesetzt werden. KI kann helfen, bewährte Texte aus Altprojekten wiederzufinden, die Mengenermittlung zu unterstützen und das LV vor dem Versand auf Lücken und Widersprüche zu prüfen. Prüfung und Verantwortung bleiben beim Planer.

In 24 Jahren im Bauwesen habe ich Leistungsverzeichnisse von allen Seiten erlebt: als Bauleiter auf Seiten der ausführenden Firma, als Projektleiter und zuletzt auf Bauherrenseite. Dieser Beitrag richtet sich an alle, die in der Leistungsphase 6 regelmäßig Leistungsbeschreibungen und Ausschreibungstexte verfassen. Er erklärt keine Grundlagen, sondern zeigt aus Bauherrensicht, wo Leistungsverzeichnisse in der Praxis scheitern und wo KI heute einen echten Beitrag leistet.

Leistungsverzeichnis erstellen: Worauf kommt es bei Aufbau und Positionsarten an?

  • Vorbemerkungen nicht als Sammelbecken nutzen. Aus Altprojekten kopierte Vorbemerkungen enthalten oft Regelungen, die nicht zum Projekt passen oder den Positionen widersprechen. Jede Vorbemerkung sollte projektbezogen geprüft werden.

  • Bedarfspositionen vermeiden. Nach § 7 VOB/A sind sie grundsätzlich nicht aufzunehmen. Wo sie unvermeidbar sind, verzerren sie den Angebotsvergleich und sollten die Ausnahme bleiben.

  • Wahlpositionen bewusst einsetzen. Jede Wahlposition verschiebt eine Entscheidung nach hinten. Sie sollte spätestens vor Auftragserteilung getroffen sein.

  • Pauschalpositionen klar abgrenzen. Unscharf umrissene Pauschalen sind eine häufige Streitquelle bei der Abrechnung.

  • STLB-Texte projektbezogen ergänzen. Standardtexte sind eine gute Basis, ersetzen aber nicht die projektspezifischen Angaben zu Anschlüssen, Details und Randbedingungen.

Warum sind Vorbemerkungen ein unterschätztes Risiko?

Vorbemerkungen bestehen in der Praxis oft aus Texten, die irgendwann für eine frühere Ausschreibung geschrieben und seitdem weitergereicht wurden. Sie sollen den Auftraggeber absichern, etwa für Leistungen, die im LV selbst nicht erfasst sind. Mit jedem Projekt werden sie länger.

Das Problem zeigt sich nach der Vergabe. Die Ausschreibungsspezialisten, die das LV erstellt haben, scheiden als aktive Beteiligte aus dem Projekt aus, Bau- und Projektleitung übernehmen. Bei der Vielzahl an Themen auf der Baustelle und dem Umfang der Vorbemerkungen werden diese von den handelnden Personen auf Auftraggeber- und Auftragnehmerseite in der Regel nicht gelesen. Was dort geregelt ist, kommt erst im Streitfall wieder auf den Tisch.

Dazu kommen zwei weitere Schwachstellen: Ob einzelne Regelungen überhaupt mit der VOB vereinbar sind, ist häufig strittig. Und viele Vorbemerkungen verweisen auf Normen und Regelwerke, die längst ersetzt sind.

Kürzere, projektbezogene Vorbemerkungen werden eher gelesen. Und was gelesen wird, wird auf der Baustelle auch eingehalten.

Leistungsverzeichnis-Muster: Wie sieht eine eindeutige Position aus?

Tragende Innenwand aus Kalksand-Plansteinen im Rohbau
Langtext · offen

Innenwand aus Kalksandstein, d = 17,5 cm, liefern und mauern.

Langtext · eindeutig

Tragende Innenwand aus Kalksand-Plansteinen nach DIN EN 771-2, Festigkeitsklasse 12, Rohdichteklasse 2,0, Wanddicke 17,5 cm, vermauert in Dünnbettmörtel. Geschosshoch bis 2,75 m. Öffnungen werden gesondert vergütet. Abrechnung nach DIN 18330.

Leistungsverzeichnis-Muster: offene und eindeutige Position im Vergleich: Die erste Fassung lässt Festigkeitsklasse, Mörtel, Wandhöhe, Öffnungen und Abrechnung offen. Jede dieser Lücken ist ein möglicher Nachtrag.

Welche Fehler im Leistungsverzeichnis führen zu Nachträgen?

Ein Punkt vorweg: Die Regel „erst ausschreiben, wenn die Planung fertig ist“ ist in der Praxis ein hehres Ziel. Eine Planung ist nie vollständig fertig. Sie wird nur bis zu einem wirtschaftlich sinnvollen Detaillierungsgrad geführt, der Rest wird über das LV oder auf der Baustelle geklärt. Und oft zieht sich die Planung hin, während ausgeschrieben werden muss, um den Gesamtterminplan zu halten. Entscheidend ist deshalb, wie man mit noch offener Planung ausschreibt.

Aus Bauherrensicht habe ich immer wieder dieselben Ursachen für Nachträge gesehen. Fast alle hätten sich bei der Erstellung des Leistungsverzeichnisses vermeiden lassen:

  • Ausschreibung bei noch offener Planung, ohne die Lücken zu benennen

    Folge auf der Baustelle
    Leistungen fehlen oder ändern sich, Nachträge für geänderte Leistungen
    Gegenmaßnahme
    Offene Punkte bewusst benennen und über LV-Texte regeln
    Wie KI hilft
    Erkennt noch nicht geplante Bereiche und schlägt auf Basis von Altprojekten Lösungen vor, um die Lücken zu minimieren
  • Unklare Schnittstellen zwischen Gewerken

    Folge auf der Baustelle
    Leistungen fallen zwischen zwei Firmen durch oder werden doppelt bezahlt
    Gegenmaßnahme
    Schnittstellen in den Vorbemerkungen eindeutig zuordnen
    Wie KI hilft
    Deckt ungeklärte Schnittstellen auf und bringt sie mit den Bearbeitenden zur Klärung
  • Widersprüche zwischen LV, Plänen und Baubeschreibung

    Folge auf der Baustelle
    Streit, welches Dokument gilt
    Gegenmaßnahme
    Rangfolge der Vertragsunterlagen festlegen
    Wie KI hilft
    Findet die Widersprüche und weist darauf hin, damit sie vor dem Versand aufgelöst werden
  • Besondere Leistungen nicht ausgeschrieben

    Folge auf der Baustelle
    Firma fordert Vergütung für Leistungen, die keine Nebenleistung sind
    Gegenmaßnahme
    Abschnitt 4 der jeweiligen ATV prüfen
    Wie KI hilft
    Gleicht die Positionen mit den Nebenleistungen und Besonderen Leistungen der ATV ab
  • Falsche oder geschätzte Mengen

    Folge auf der Baustelle
    Mengenabweichungen und Preisanpassungen
    Gegenmaßnahme
    Mengen nachvollziehbar ermitteln
    Wie KI hilft
    Plausibilisiert die Mengen
  • Stillschweigend vorausgesetzte Ausführung

    Folge auf der Baustelle
    Jeder versteht unter „wie üblich“ etwas anderes
    Gegenmaßnahme
    Wichtige Details beschreiben statt voraussetzen
    Wie KI hilft
    Macht Stellen sichtbar, an denen das LV etwas voraussetzt
Typische Fehler im Leistungsverzeichnis, ihre Folgen und wie KI hilft

Der letzte Punkt wird oft unterschätzt. Vieles, was auf der Baustelle gebaut wird, steht weder im Plan noch im LV. Es ergibt sich aus Erfahrung und aus dem, was am Bau üblich ist. Das funktioniert, solange alle dasselbe für üblich halten. Tun sie das nicht, entsteht ein Nachtrag.

Was bedeutet es, wenn auch Auftragnehmer das LV mit KI prüfen?

Dieselben Werkzeuge stehen auch den ausführenden Firmen zur Verfügung. Eine KI kann einen Vertrag samt Leistungsverzeichnis in kurzer Zeit auf Lücken, Widersprüche und unklare Schnittstellen durchsuchen und damit Nachtragspotenziale aufzeigen. Was früher ein erfahrener Kalkulator in Tagen herausgearbeitet hat, liegt dann nach wenigen Minuten vor.

Für Planer heißt das: Jedes Leistungsverzeichnis sollte so erstellt werden, als würde es später mit KI geprüft, denn genau das wird zunehmend passieren. Wer sein LV vor dem Versand selbst mit KI auf Lücken prüft, findet dieselben Schwachstellen, bevor es die Gegenseite tut.

Für beide Seiten gilt aber auch: Unklarheiten, die früh erkannt werden, lassen sich in der Angebotsphase über Bieterfragen klären. Das ist für das Projekt fast immer besser als ein Streit auf der Baustelle.

Wie hilft KI bei Ausschreibung und Leistungsverzeichnis?

Beim Leistungsverzeichnis am Bau ersetzt KI den Planer nicht, kann ihm aber viel Such- und Schreibarbeit abnehmen. Voraussetzung ist, dass sie auf die Unterlagen des Büros zugreifen kann, aus früheren wie aus laufenden Projekten: Pläne, Baubeschreibungen, Leistungsverzeichnisse, Nachträge und Projektkorrespondenz. Ebenso wichtig ist, dass sie die aktuellen Normen und gesetzlichen Vorgaben kennt. Wer nur auf alte Leistungsverzeichnisse zurückgreift, übernimmt sonst auch deren veraltete Normverweise.

  • Positionstexte

    Was KI übernehmen kann
    Entwürfe aus bewährten Texten früherer Projekte des Büros, angepasst an das aktuelle Projekt
    Was beim Menschen bleibt
    Fachliche Prüfung und Freigabe
  • Wissen aus Altprojekten

    Was KI übernehmen kann
    Findet bewährte Ausschreibungen und Lösungen aus abgeschlossenen Projekten als Best Practice, damit nichts doppelt erarbeitet wird
    Was beim Menschen bleibt
    Entscheidung, was auf das neue Projekt passt
  • Mengenermittlung

    Was KI übernehmen kann
    Unterstützt beim Ableiten der Mengen aus Plänen und Modellen
    Was beim Menschen bleibt
    Prüfung der Mengen
  • Vollständigkeit

    Was KI übernehmen kann
    Gleicht LV mit Baubeschreibung und Plänen ab, weist auf fehlende Leistungen und Widersprüche hin
    Was beim Menschen bleibt
    Bewertung der Hinweise
  • Schnittstellen

    Was KI übernehmen kann
    Zeigt, welche Leistungen in mehreren Gewerken oder in keinem vorkommen
    Was beim Menschen bleibt
    Zuordnung der Leistung
  • Erfahrungen aus Nachträgen

    Was KI übernehmen kann
    Wertet Nachträge früherer Projekte für das jeweilige Gewerk aus und zeigt, welche Formulierungen zu Streit geführt haben
    Was beim Menschen bleibt
    Ableitung für die neue Ausschreibung
  • Normen und Rechtskonformität

    Was KI übernehmen kann
    Gleicht Texte mit den hinterlegten DIN-Normen, der VOB und weiteren Vorgaben ab, weist auf veraltete Verweise und strittige Formulierungen hin
    Was beim Menschen bleibt
    Fachliche und rechtliche Bewertung
Was KI beim Leistungsverzeichnis übernehmen kann und was beim Menschen bleibt

Wie bereitet man das LV schon für die spätere Suche vor?

Das Auftrags-LV wird nach der Vergabe von Bauleitung und Arbeitsvorbereitung immer wieder durchsucht, zunehmend mit KI-Unterstützung. Wer das LV erstellt, geht ohnehin jede Position einzeln durch. Das ist der beste Moment, um an relevanten Positionen Merkpunkte für die spätere Projektabwicklung zu setzen.

Das wichtigste Beispiel sind Bestellfristen. Viele Bauteile haben lange Vorlaufzeiten und müssen Monate vor dem Einbau bestellt werden. Steht an der Position ein Hinweis wie „Bestellvorlauf erfahrungsgemäß 6 Monate vor Anlieferung“, kann die KI diese Information später finden und rechtzeitig darauf hinweisen. Weitere sinnvolle Merkpunkte sind erforderliche Bemusterungen, Freigaben durch den Bauherrn und Prüf- oder Abnahmetermine.

So wird schon bei der Ausschreibung Wissen festgehalten, das später auf der Baustelle Zeit und Ärger spart.

Häufige Fragen zum Leistungsverzeichnis

Gibt es eine Vorlage für ein Leistungsverzeichnis?

Eine allgemeingültige Vorlage gibt es nicht, weil jedes Projekt anders ist. Als Grundlage dienen das Standardleistungsbuch STLB-Bau, die Hinweise in Abschnitt 0 der ATV der VOB/C und bewährte Leistungsverzeichnisse aus eigenen früheren Projekten. Ausgetauscht werden Leistungsverzeichnisse meist im GAEB-Format.

Kann KI ein Leistungsverzeichnis erstellen?

KI kann Positionstexte entwerfen, bei der Mengenermittlung unterstützen und das LV auf Lücken und Widersprüche prüfen. Ein vollständiges, verantwortbares Leistungsverzeichnis entsteht aber erst durch die Prüfung und Erfahrung des Planers. Die Verantwortung bleibt bei ihm.

Wie lässt sich das Nachtragsrisiko schon im Leistungsverzeichnis senken?

Vor allem durch einen bewussten Umgang mit noch offener Planung, eindeutige Schnittstellen in den Vorbemerkungen, ausgeschriebene Besondere Leistungen nach Abschnitt 4 der ATV und beschriebene statt vorausgesetzte Details. Wertvoll ist außerdem die Auswertung der Nachträge früherer Projekte: Sie zeigt, welche Formulierungen im eigenen Büro immer wieder zu Streit führen.

Wie nutzt man Leistungsverzeichnisse aus Altprojekten sinnvoll?

Als Ausgangspunkt, nicht als Kopiervorlage. Bewährte Positionstexte sparen Zeit, müssen aber an Planung, Details und Randbedingungen des neuen Projekts angepasst werden. Eine KI, die auf die Projektablage des Büros zugreift, findet passende Texte und die Erfahrungen dazu deutlich schneller als die manuelle Suche.

Thomas Strang, Chief Business Officer, MittelstandGPT

Über den Autor

Thomas Strang

Chief Business Officer, MittelstandGPT

Thomas Strang ist Chief Business Officer bei MittelstandGPT. Der Diplom-Bauingenieur (FH Aachen, Vertiefung Baubetrieb) bringt 24 Jahre Erfahrung im Projekt- und Bauwesen mit, davon 17 Jahre in Führungsrollen.

Er war Bauleiter, Projektleiter bei ECE und zuletzt Geschäftsbereichsleiter Projektrealisierung bei der Sprinkenhof GmbH in Hamburg. Dort baute er den Bereich von 15 auf 90 Mitarbeitende aus und verantwortete rund 80 Neubau- und Sanierungsprojekte mit 4,5 Milliarden Euro Volumen, darunter als Projektdirektor die Revitalisierung des Congress Center Hamburg. Er hat BIM, Lean Management und integrierte Projektabwicklung in die Praxis eingeführt.

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MittelstandGPT ist eine KI-Lösung aus Hamburg für Planungs-, Architektur- und Ingenieurbüros. Sie greift direkt auf die Unterlagen des Büros zu: lokale Laufwerke, Outlook mit persönlichen und freigegebenen Postfächern, Projekt- und Gruppenpostfächer in Microsoft 365, SharePoint, OneDrive und Microsoft Teams. Weitere Systeme lassen sich gemeinsam mit dem Support anbinden. So werden frühere Leistungsverzeichnisse, Pläne und Projektkorrespondenz in normaler Sprache durchsuchbar, mit Quellenangabe und unter Wahrung von Datenschutz und Vertraulichkeit.

Quellen

  • VOB/A 2019, § 7 Leistungsbeschreibung (lxgesetze.de)

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